Geologie des Jemens
Wie ein Blick auf die Landkarte zeigt, hat das Horn von Afrika ( Staatsgebiet Somalia ) einmal nahtlos an den südwestlichen Jemen gepaßt. Der Grabenbruch des Roten Meeres setzt sich nach Süden über Djibouti als Ostafrikanische Senke fort und findet seine nördliche Verlängerung über den Golf von Aqaba zum Jordangraben.
Somit ist der Jemen ist der Teil der arabischen Platte, die sich durch das Rote Meer getrennt immer weiter von der Afrikanischen Platte distanziert.
Mit Djibouti als Schnittpunkt bildet ein zweiter Grabenbruch den Golf von Aden. Die Trennung Arabiens und Afrikas setzte im mittleren Tertiär, vor 40 Millionen Jahren, ein und wurde durch heftige Vulkanausbrüche begleitet. Das Staatsgebiet des Jemen, unmittelbar an der Bruchstelle der beiden Platten gelegen, ist heute noch tektonisch aktiv.
Erdbeben sowie Heiswasser- und Wasserdampfquellen, die im Jemen vielerorts zu finden sind, geben Aufschluß von den Kräften, die an der arabischen Platte ihre Wirkung zeigen.
Heute existieren keine tätigen Vulkane mehr in dieser Region, aber viele erloschene Vulkane überziehen das Land. Allgegenwärtig sind die ausgeprägten Vulkanterrains entlang der
Verkehrsrouten Damahr - Rada, Sanaà - Marib, Bir Ali - Mukalla und um den Küstenhafen Aden.
Vulkanische Förder- und Lagergänge sind durch Erosion vielerorts aufgeschlossen. Da dieses Material zumeist härter ist als das angrenzende Gestein ( langsame Erosion ) haben sich entlang der Straße Menaacha - Sana`a und Jariem - Hammam Dammt teilweise 2m hohe Mauern gebildet. Kissenlava, d. h. unter Wasser ausgetretene Lava, ist häufig zu finden und zeigt Vulkanismus unter dem Meeresspiegel, bevor sich der Jemen auf heutiges Niveau geschoben hat.
Besonders interessant sind die erloschenen Vulkane Al-lsi und Isbill ( Dhamahr - Rada ) mit ihren Wasserdampfquellen, Barrasch und Mafluk bei Saada, die Lavakammern ehemals gewaltiger Vulkane darstellen.
Auf Grund dieser Tatsache, daß der überwiegende Teil Jemens vulkanischen Ursprungs ist, ist auch das gewaltige Erdbeben des Dezembers 1982 zu erklären.
Damals forderte das Erdbeben in der Region um Damahr etwa 3000 Todesopfer. Im November 1991 gab es bei einem Erdbeben in Udäin in der Provinz Ibb 10 Tote und zahlreiche zerstörte Gebäude. Erdbeben in Sanaà mit Gebäudeschäden sind für die Jahre 1666 und 1897 überliefert.
Das älteste jemals im Jemen gefundene Gestein ist 600 Mio Jahre alt. Aus dieser Epoche stammen auch die Marmorvorkommen von Taiz und Hadscha.
Versteinerte Muscheln und Korallen, Zeitzeugen tektonischer Veränderungen in prähistorischer Zeit sind im Jemen allerorts und in jeglicher Höhenlage zu finden. Sie repräsentieren einmehrmaliges Heben und Senken der arabischen Platte.
Erhebliche Kalkvorkommen liegen westlich der Straße Sanaà - Amran und bei Ba'dschil. Sie versorgen die dort ansässigen Zementwerke und fördern somit die lokale Bauindustrie.
Auch das bis zu 2000m hohe Dschol - Plateau zwischen dem Indischen Ozean und dem Wadi Hadramaut ist ein mächtiger, von Erosionsrinnen durchfurchter Kalksteinblock.
Eindruckvolle Beispiele vorgeschichtlicher Erdkräfte sind im südlichen Jemen die in einem Vulkankrater gelegene Hafenstadt Aden sowie das in umgedrehte Richtung fließende Wasser im Wadi Hadramaut. Heute entspringt das Wasser des Flusses im ehemaligen Flußdelta und fließt zu dessen früheren Quellgebiet.
Im Jemen sind bislang Bodenschätze nur in kleinen Lagerstätten gefunden worden, die ihrerseits seit vielen Jahrhunderten bekannt sind. Der jemenitische Geschichtsschreiber Hamdani berichtet im 10. Jahrhundert von acht Gold- und drei Silberminen. Zwei der Goldminen seien im Berg Haathur nördlich der Hauptstadt Sanaà angelegt gewesen; so Hamdani.
Aus sabäischer und himjaritischer Zeit sind Kupfer-, Eisen- und Silberminen belegt. Das bedeutenste sabäische Blei-, Silber-, Zink-, und Kupferbergwerk wurde Anfang der 80er Jahre diesen Jahrhunderts am Dschebbel Salab bei Al-Jufra wiederentdeckt.
Alabaster, das traditionelle Fensterglas des Jemen, wurde im Tagebau ( Brüche ) an der Straße Sanaà - Marib abgebaut. Von geologischem Interesse und bis heute genutzt sind die Salzstöcke von Salief, Luhäia und Marib. Weitere Steinsalzminen sind bei Schabwa, Timma und im Wadi Hadscher zu finden.
Erdölvorkommen sind erst seit dem letzten Jahrzehnt bekannt. Lagerstätten befinden sich bei Schabwa und bei Marib.