Die Geschichte des Grubenfeldes Mayen

Geologie

Entstanden ist das Mayener Grubenfeld durch mehrere Ausbrüche der Bellerberg-Vulkangruppe, einem Komplex aus meh-
reren ineinander verschachtelten Schlackenkegeln. Morphologisch treten heute der Ettringer Bellerberg, der Kottenheimer
Büden und der Mayener Bellerberg hervor.
Die Ausbrüche begannen mit niedrigen Lavafontänen entlang von spaltenförmigen Eruptionszentren. Im Verlauf dieser Erup-
tionsphase, in der die einzelnen Schlackenkegel aufgebaut wurden, entstanden auch der Winfeld- und der Mayener Lava-
strom. Später konzentrierten sich die vulkanischen Ausbrüche auf vereinzelte Schlote, wobei die Explosivität und damit die
Partikelauswürfe stark zunahmen.
Die chemische Zusammensetzung des Bellerberg-Magmas entspricht einem Tephrit, wobei die gesamte Vulkangruppe der
typischen Basamit-Tephrit-Gruppe der Eifel zugeordnet werden kann.
 

    Blockbild des Osteifelgebietes (M = Mayen)  


 

Archäologie
 
Die poröse Basaltlava des Bellerberges ist vorzuglich für die Herstellung von Reib- und Mahlsteinen geeignet. Dementspre-
chend wurde diese Rohstoffquelle schon früh genutzt.
Die erste Nutzung des Mayener Grubenfeldes während der Kultur der Bandkeramik (6./5. Jahrtausend v. Chr.) ist durch
zahlreiche Funde von Mahlsteinen indirekt belegt. Ein gezielter Abbau von Basaltlava in kleinem Umfang an den Rändern
der Lavaströme scheint seit der Michelsberger Kultur (ab dem 4. Jahrtausend v. Chr.) betrieben worden zu sein.
Während der Eisenzeit (seit dem 8. Jahrhundert v. Chr.) weitete sich die Steingewinnung stark aus. In dieser Zeit gewann
man etwa das obere Drittel der Basaltlavasäulen. Es handelte sich um eine Schlagspaltung, bei der Hämmer aus Hartbasalt
Verwendung fanden. Später lösten eiserne Werkzeuge die Steinhämmer ab.
 

    Steinspaltung mit Keiltaschen

In der römischen Periode arbeitete sich der Abbau weiter zur Mitte des Lavastroms vor. Es änderte sich sowohl das Pro-
dukt als auch die Abbautechnik. Seit der ausgehenden Eisenzeit hatte sich die runde, drehbare Mühle durchgesetzt, die als
äußerst erfolgreiches Produkt weit über die Eifelregion hinaus verhandelt wurde. Der Stein wurde nun durch Keilspaltung
gewonnen: In einer Reihe meißelte man etwa 10 cm tiefe Löcher, die Keiltaschen, ein. In diese setzte man Eisenkeile und
spaltete den Stein durch abwechselndes Einschlagen.
Im frühen Mittelalter änderte sich die Steinspaltung dahingehend, daß anstelle der Keiltaschen durchgehende Keilrillen in
den Stein geschlagen wurden. Es blieb bei der Gewinnung im Tagebau.
 

    Steinspaltung mit Keilrillen

Ab dem 15. Jahrhundert ging man zum Untertagebau über, der eine Zeitlang parallel zum Tagebau bestand. Vom 17. Jahr-
hundert an gab es ausgedehnte unterirdische Abbauhallen, in denen nur noch einzelne Säulenbündel als Stützen stehen blie-
ben.
Ein letzter großer Wandel im Abbau vollzog sich im 19. Jahrhundert, als man wiederum zum Tagebau überging, nunmehr in
großflächigen Tiefengruben betrieben und so den Lavastrom in seiner vollen Mächtigkeit nutzend. Neben Mahlsteinen spiel-
te nun die Produktion von Pflaster- und Werksteinen eine große Rolle. Eine Weiterentwicklung stellte die Elektrifizierung zu
Beginn des 20. Jahrhunderts dar, mit der das von Muskelkraft betriebene Göpelwerk durch Kräne ersetzt werden konnte.
In dieser Ausprägung bestand der Basaltabbau im Mayener Grubenfeld bis in die Nachkriegszeit. Heute sind nur noch we-
nige Betriebe aktiv, die das Gestein mit modernen Maschinen gewinnen.


Erstellt: M. Kirst
 
Stand: 18. April 1999